An diesem Abend jedoch hatte sie sich alle Knöpfe von ihrer Bluse geschnitten und dafür kleine Klettbänder angenäht. Weil Knöpfe nirgendwo in der Bibel vorkommen würden.
»Aber in der Bibel kommt doch bestimmt auch kein Klettband vor?«
Das war ihr egal.
Wann liest man Werke von preisgekrönten Schwachsinnigen wie Jorge Borges oder von hochdotierten Idioten wie Pierre Menard? Sicher nicht, wenn man glaubt, dass man von den Symbolen und ihren Herstellern mehr zu erwarten haben dürfte, als nach fünfhundert Seiten Resümees wie: »Ich bin Gott, und damit sage ich, dass ich nicht bin«...
Und weshalb liest man dennoch in solcherlei nutzlos-dreistem Unflat? Weil man sich lustvoll an Hoffnung vergiftet hat. Bei Sanatanas finden Sie keine Hoffnung, keinen Trost. Aber auch nirgendwo Idiotie oder Schwachsinn. Dafür mag Sie manchmal, wenn Sie schon glauben, einem langen, schlechten Witz aufgesessen zu sein, eine richtig gute Pointe mehr als entschädigen. Nehmen Sie den Mann verdammt ernst, und es könnte sein, dass Sie Ihr herzlichstes Lachen wiederfinden.
Jürgen Deutsch, Braunschweig 2012
»Am liebsten erzählte er mir immer wieder ausführlich die Geschichte von jenem bitter armen, ehrlichen Mann, der, als er, ohne je Liebe erfahren zu haben, gestorben vor die Götter zu treten hat, dort erfahren muss, dass es für ihn auch im Himmel nichts zu erwarten gibt - immerhin hätte er ja sein ganzes Leben lang von der Hoffnung zehren dürfen...«
Sanatanas, aus »LITHIUM oder die so erwünschte Unveränderlichkeit des Anderen unter wechselnden Umständen«
Heute zu einem Bettler: »Was beschweren Sie sich, dass ich Ihnen nichts gebe? Will ich denn nicht dasselbe wie auch Sie? Mehr statt weniger?«
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